Kleine Lehrstunde der Demokratie

Anzeige vom 21.08.2017

Am 26. Juni hatten wir Besuch von einem Bundestagsabgeordneten: Metin Hakverdi, 2013 direkt gewählt in unserem Wahlkreis Bergedorf-Finkenwerder. Was ist das eigentlich: ein Bundestagsabgeordneter? Kalter Machtmensch mit Hut, Zigarre und falschem Lächeln, ohne ehrliches Interesse an uns? Mal gucken, wer da kommt.

Wer kam, war ein sympathischer Wilhelmsburger. Metin Hakverdi, 48 Jahre alt und Jurist. Es fiel leicht, ihm abzunehmen, dass er sich bemüht, „nicht weit weg vom Menschen“ zu sein und sich ehrlich mit den Sorgen und Nöten der von ihm vertretenen Menschen auseinanderzusetzen. Es fiel auf, dass er sich besonders  für die Situation von Familien interessierte.

Er erzählte von seinen Bürgersprechstunden, seinen Treffen mit Schülern, die ihn mit Fragen löcherten. Erzählte aber auch von misstrauischer Ablehnung, wenn er an Türen klingelte, um einfach so mit den Leuten zu reden. Bei uns hatte die Ankündigung seines Besuches auf reichlich Resonanz gestoßen und er nahm sich viel Zeit. Geschlagene drei Stunden  unterhielt er sich mit unseren Müttern.

Welche Fragen bewegen denn nun unsere  Mütter?

Hier ein paar O- Töne:

„Meine Elternzeit hört jetzt auf, ich brauche aber noch ein bis zwei Monate mehr, weil in meiner Familie so viel los ist. Was muss ich tun, damit ich keine Einbußen habe, mich mein Arbeitgeber auch zu einem späteren Zeitpunkt als geplant wieder zurücknimmt?“ 

 „Ich arbeite im Schichtdienst in der Altenpflege (oder im Krankenhaus), gar nicht familientauglich, ich hab´ aber kaum eine Möglichkeit, ´was anderes zu machen“

„Meine Mutter ist jetzt in Rente, kriegt aber kaum was. Wie kann das denn sein; sie hat uns als Kinder versorgt und dann wieder gearbeitet und nun steht sie mit so wenig Geld da.“

Es wurde sehr offen und sehr persönlich über viele Punkte gesprochen und diskutiert.

Fazit des Vormittags war für uns alle, dass es in der politischen Realität nicht möglich ist, das jeder Einzelne genau das bekommt, was er gerne möchte. Die politische Realität ist eben von dem in der Regel schwierigen Geschäft geprägt, Kompromisse zu finden, die sozial akzeptiert werden und von denen letztlich diejenigen Menschen, die wirklich Unterstützung brauchen, merklich profitieren. So war für die Mütter im EKiZ dieser Vormittag „eine kleine Lehrstunde der Demokratie“ – ein sehr praxisnahes Kursangebot.