Aktuelles der DRK-KiJu

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Aktuelle Newsmeldungen der Kindertagesstätten, Ganztagsschulen und Jugendangebote

Studientage in der Kita Regenbogen - die Einrichtung ist geschlossen; aber was machen die da eigentlich? Ein Blick hinter die Kulissen der pädagogischen Arbeit in einer Kindertagesstätte!

| von Kita Regenbogen / Kita Sonnenschein

Am 22. und 23.02.2018 fanden unsere ersten Studientage für dieses Jahr statt. Am ersten Tag beschäftigte sich das Team gemeinsam mit Frau Benecke vom LEB (Landesbetrieb Erziehung und Beratung) mit dem Thema „Verhaltensauffällige Kinder- was macht das mit mir?“. Am zweiten Tag erfuhren wir etwas über „Krippe mit Grips“, „GUK- Gebärdenunterstützende Kommunikation“ und „Sprachförderung in Zusammenarbeit mit Eltern“, die Expertinnen unseres Hauses führten uns durch ihren Alltag.

Wir begannen den 22.03 mit einer Zeitreise und stellten uns dazu folgenden Fragen:

  • Wie würden wir Jungs im Jahr 1950 im Kindergarten angucken, die Lust hätten, in der Puppenküche zu spielen und zu kochen; wären die verhaltensauffällig oder wäre das normal?
  • Wie würden wir Kinder im Jahr 1990 angucken, die es als Jungs schick fänden, ein Prinzessinnen-Kostüm zu tragen und sich als Mädchen in einem Jungskörper zu identifizieren; wie würden wir Mädchen im umgekehrten Fall betrachten; wären die verhaltensauffällig oder wäre das normal?
  • Und heute? Wer ist eigentlich normal? Und ab wann ist man eigentlich verhaltensauffällig?

„Die Auffälligkeit ist kein Merkmal des Verhaltens, sondern stellt eine Bewertung eines oder mehrerer Beobachter dar. Es gibt keine objektiven Maßstäbe, um Verhaltensauffälligkeiten zu bestimmen. Vielmehr sind es gesellschaftlich festgelegte Normen und Werte, Ideen einer Kultur über das, was richtig und falsch ist, Forderungen und Erwartungen an Kinder hinsichtlich bestimmter Kompetenzen, die darüber bestimmen, was verhaltensauffällig angesehen wird.“

(aus Troppmann/ Rotthaus, 2013, Auffälliges Verhalten im Kindesalter; Handbuch für Eltern und Erzieher, Verlag modernes Lernen)

Wird ein Kind von Erwachsenen als „verhaltensauffällig“ bezeichnet, so lässt sich jeweils auch fragen, ob nicht die Erwachsenen „erwartungsauffällig“ sind.

In Arbeitsgruppen beschäftigten wir uns dann bei der Thematik „Verhaltensauffällige Kinder- was macht das mit mir?“ mit folgenden Fragestellungen:

  • Was nehmen wir an den Kindern wahr?
  • In welcher Situation nehmen wir das wahr?
  • Zu welchen Zeiten nehmen wir das wahr?
  • Was wissen wir über die Familie/ die Freizeit des Kindes?
  • Wozu dient das Symptom/ das Verhalten des Kindes?

Und wenn wir das alles wissen?

  • Was nehmen wir bei uns wahr?
  • Welche Gefühle nehmen wir wahr?
  • Was macht das mit unserem Körper und in welchem Körperteil?

Durch welche Brille gucken wir eigentlich und was kann uns unterstützen?

Man muss das Rad nicht neu erfinden und auch kein Vermögen in Unterstützungsmaßnahmen für den Alltag mit „anders auffälligen Kindern“ stecken; wichtig für die Kinder sind u.a.: die Vorlieben und Interessen der Kindes wahrzunehmen und zu unterstützen, ein geregelter Tagesablauf und Rituale, das positive Selbstbild der Kinder zu stärken, die Kinder in alltäglichen Situationen selbst bestimmen zu lassen, die Kinder zu schützen, den Kindern motivierende Aufgaben zu erteilen, ruhige Kinder bewusst wahrzunehmen;

wichtig für die pädagogischen Fachkräfte sind u.a.: Fortbildungen, Haltung, Austausch und Reflexion, ein Blick auf das Positive, aus der Situation herausgehen, Rituale für einen selbst;

wichtig für die Einrichtung wären u.a.: Fühlsäckchen, Tastwand, Bälle, Sitzhocker, Trampolin, Balancekissen, Leseecke, Hochbeet, Sandkissen, etc. 

Fazit:

„Tatsachen gibt es nicht, nur Interpretationen“

(Nietzsche)

 

„Dummbaa... Dummbaa... Dummbaa... Dummbaa... Dummbaa... Dummbaa...Dummmbaaa...

Dummbaa... Dummbaa... Dummbaa... Dummbaa... jetzt geht’s los..“

Am zweiten Tag entführten uns die Kolleginnen der Bären-Gruppe (Aylin, Lina und Daniela)  in ihren Alltag,

„Krippe mit Grips“ zu Musik anhand der Hamburger Bildungsempfehlungen und wir starteten mit einem Morgenkreis, in dem wir alle an den aktuellen Bären- Krippen-Charts teilnehmen durften.

Wir erfuhren etwas über das musikalische Empfinden von Kindern; wann fängt das eigentlich an? Was löst Musik in uns aus? Wir erfuhren etwas über den Zusammenhang von Ich-Kompetenzen und Musik (Kennenlernen des eigenen Körpers und der Stimme, Erproben von Ausdrucksmöglichkeiten, etc.), den Sachkompetenzen und Musik (Kenntnisse über die eigene Stimme erlangen, z.B. laut und leise, Kennenlernen verschiedener Musikinstrumente, Merk- und Wiedergabefähigkeit entwickeln, etc.), der sozialen Kompetenzen (warum ist es zu laut oder zu leise, partnerschaftliches Miteinander, etc.) und der lernmethodischen Kompetenzen (Bewusstwerden der eigenen Ausdrucksmöglichkeiten, etc.).

Die Musik bestimmt unseren Alltag und wird als Ritual verwendet; es werden Zeiten und Orte geschaffen, an denen sich die Kinder musikalisch ausprobieren können.

Um jedoch Musik sinnvoll ein- und umsetzen zu können, müssen die pädagogischen Fachkräfte folgende Kompetenzen mitbringen: Ich-Kompetenz (Lärm und Stille bewusst erleben, tänzerische Grundmuster erlernen, Lieder nach verschiedenen Stimmungen/ Anlässen passend auswählen), Sozial-Kompetenz (andere an ihrer Stimme erkennen, aufeinander hören, sich musischer Ausdrucksformen anderer bewusst werden, Freude am Singen bei den Kindern wahrnehmen, weiterentwickeln und die Kinder bestärken, andere Sprachen kennen, etc.).

Im weiteren Verlauf des Vormittages erhielten wir durch unsere Heilerziehungspflegerin und Erzieherin Frau Olga Kartavaya eine Einführung in GUK- Gebärdenunterstützende Kommunikation.

GUK wurde von Frau Etta Wilken schwerpunktmäßig als eine Form der Kommunikation für Kinder mit Trisomie 21 entwickelt. Im Alltag mit Kindern mit Trisomie 21, die wir in unserer Kindertagesstätte betreuen, stellten Frau Kartavaya und unsere Sprachexpertin Frau Kathrin Piper fest, dass GUK auch sehr gut in der Anwendung für alle Kinder in der Sprachförderung genutzt werden kann; ganz besonders für Kinder, die der deutschen Sprache noch gar nicht oder kaum mächtig sind. Denn GUK ist ganz einfach zu verstehen und sehr schnell für alle umzusetzen.

Das Verstehen und Miteinander gelingt mit GUK viel besser und das Sprechenlernen wird gefördert. Gebärden machen Spaß bei Kniereitern, Krabbel- und Fingerspielen und bieten eine gute Unterstützung zum Mitmachen und Mitteilen.

Nach der wohlverdienten Mittagspause ging der Tag weiter mit unseren Sprachexpertinnen Frau Malgorzata Trifkovic, Frau Kathrin Piper und Frau Martina Oettli zum Thema „Sprachförderung in Zusammenarbeit mit Eltern“. Ziel war es hier eine „Schatzkiste“ mit unterschiedlichen methodischen Ideen/ Materialien für die

Zusammenarbeit mit Eltern zum Thema „Sprachförderung“ zu erstellen. Anhand unterschiedlicher Texte verschiedener Autoren (z.B. „Eltern machen und denken mit“, „Was Eltern ihren Kindern mitgeben möchten“, „Mein Name hat eine Geschichte“ oder „Mit der Vielfalt der Familiensprachen wertschätzend umgehen“) wurden unterschiedliche Ideen zur Einbeziehung der Eltern erarbeitet.

Ein besonders beeindruckendes Beispiel unserer „Schatzkiste“ ist aus dem Text „Mein Name hat eine Geschichte“ entstanden. Jedes Kind hat einen Namen und jede Namensgebungs-Geschichte ist etwas Besonderes. Aus diesem Grund sollte jeder dazu beitragen, dass Namen nicht mehr als „komisch“ oder „schwierig“ verstanden, sondern als „wichtig“ und „wertvoll“ betrachtet werden. In einer „Namensrunde“ mit Eltern sollen hierzu folgende Fragen besprochen werden: Wie heißt ihr Kind? Wie wird sein Name geschrieben? Welche Bedeutung hat der Name? Wer hat den Namen für das Kind ausgesucht? Was hat er oder sie damit verbunden? Wenn man erst weiß, was ein Name bedeutet und welche Gedanken sich eine Familie zu der Namensgebung gemacht hat, kann man feststellen, was für ein wunderschöner Name sich dort verbirgt.

Zwei tolle und volle Tage, an denen wir Sie, liebe Leser, gerne teilhaben lassen wollten!